[Savage Worlds] Decking/Hacking für Shadowrun-Conversions: Vorüberlegungen

Über die Jahre sind schon etliche Konvertierungen von Shadowrun auf Savage Worlds erschienen. Wirklich zufrieden gestellt hat mich aber noch keine von diesen, weshalb ich von Zeit zu Zeit an einer eigenen tüftle.

Decking/Hacking ist eines der inkonsistentesten Subsysteme von Shadowrun, das in jeder Edition anders aussah und keiner Fassung besondere Lorbeeren eingeheimst hat – tatsächlich vermieden (und vermeiden) wahrscheinlich die Mehrheit der Spieler den Kontakt dazu und schieben jegliches Decking auf einen NSC ab, der per Handwedeln oder mit einfachen Computerproben gegen eine arbiträre Schwierigkeit den Bereich abdeckt. Ich sehe daher keine Notwendigkeit mich besonders eng an eines der bestehenden Regelsysteme anzulehnen, sieht man mal von fluffigen Settingvorgaben wie Datenbuchsen, Otaku/Technomancern, der Existenz von ICE etc. ab.

Prämissen für ein gutes Decking-/Hacking-Subsystem:

1.) Die Matrix ist alltäglich, und schon mit geringer Spezialisierung sind Erfolge darin drin
In SR1-3 galt noch: Entweder steckt ein Charakter den Großteil seiner Ressourcen darin, ein Decker zu sein, oder er sollte es gleich vergessen. SR4/5 hat das Preisgefüge deutlich entschärft und ist etwas nachgiebiger, verlangt aber immer noch deutliche Spezialisierung.

Es ist in SR nicht schwer, ein brauchbarer Kämpfer oder Einbrecher zu sein. Jeder mit einer Panzerung, mittelmäßigen bis leicht überdurchschnittlichen körperlichen Attributen, ein paar Punkten in einer Waffenfertigkeit und einer billigen Waffe kann es mit Messer tragenden Gangkids oder donutmampfenden Erste-Reihe-Wachen aufnehmen (wenn auch nicht unbedingt schnell oder verlustfrei), und schon ein geringer Grad an Spezialisierung wie Verstärkte Reflexe hebt die Kampfkraft spürbar. Hochgradig aufgemotzte Straßensamurai mit 0.01 Essenz und bis zur letzten Montageschiene gepimpten High-End-Waffen mit teurer Spezialmunition spielen natürlich nochmal in einer anderen Liga, aber so weit muss man gar nicht gehen um einen zählbaren Kampfbeitrag zu liefern.
Decking muss dort ebenfalls ankommen. Jeder mit einem billigen Cold-ASIST-Deck, ein paar Punkten in Computer und ein paar veralteten Programmen sollte dazu fähig sein, Gernot Gangkids Telefon anzuzapfen oder die Kameras im Stuffershack während eines Überfalls abzustellen (wenn auch nicht unbedingt schnell oder verlustfrei). Schon geringe weitere Maßnahmen von der Größenordnung von Verstärkten Reflexen sollten schwächere computerkontrollierte Konzernsysteme auf der Stufe von Paul dem entbehrlichen Pförtner in Reichweite bringen. Das 0,01-Essenz-Otaku-Wunderkind voller mathematischer SPUs und Enzephalons mit dem Fairlight Excalibur, das 20 verschiedene Programmiersprachen vorwärts und rückwärts spricht, spielt natürlich nochmal in einer anderen Liga, aber so weit muss man gar nicht gehen um in seiner Nische fähig zu sein.
Kurz gesagt: Ein Decker zu werden sollte einen nicht dazu verdammen, künftig in allen anderen Nischen nutzlos zu sein, und es sollte ein brauchbarer Ansatz sein als anderer Archetyp nebenbei in Decking zu machen, zumindest so brauchbar wie andere Mischarchetypen wie der Trollkampfmagier.

2.) Matrixaktionen sollten so schnell abwickelbar sein wie ein Schloss zu knacken oder einen Zauberspruch zu sprechen
Die Matrix als eigenes Minispiel, bei dem der Rest der Gruppe erst die nächste Stunde erst mal Pizza essen kann ehe der Decker-Spieler fertig ist, funktioniert im Gruppenkontext erwiesenermaßen nicht. Für 99% des Spiels muss die Matrix in für die Gruppe interessante und relevante Tasks runtergebrochen werden. Ob der Decker die Kamera abschalten, die Sicherheitstür öffnen oder das Stockwerk mit dem McGuffin identifizieren kann ist relevant – durch wie viele Knoten in welchem Arrangement er hierfür durchspaziert, wie viele ICEs er dabei zerlegt und ob er mit seinem Blaster 3 oder 4 Punkte Schaden gegen das ICE durchkriegt ist es nicht.

Von einem Magier wird schließlich auch kein ausführlicher Trip durch eine Mindscape erwartet, nur um eine Kontrollmanipulation durchzukriegen – es mag sich für ihn in der Fiktion tatsächlich so darstellen, interessant ist im Gruppenkontext aber nur ob er den Spruch durchkriegt oder nicht, und sollte entsprechend schnell zu ermitteln sein damit die restlichen Spieler mit ihren Sachen weitermachen können.

3.) Ausgedehnte reine Matrixläufe sollten optional(!) trotzdem möglich sein
Viele klassische Cyberpunkgeschichten wie “Burning Chrome” oder weite Teile von “Neuromancer” benutzen ausgedehnte Matrixläufe als Dreh- und Angelpunkte, ebenso einige alternative Kampagnenansätze in SR wie Matrixgangs oder Otakustämme. Es sollte damit immer noch möglich sein, einen Matrixlauf zum Kernstück einer Sitzung zu machen – es sollte einfach ebenso möglich sein, die einzelnen Tasks darauf runterzubrechen mit #2 kompatibel zu sein.

Worauf läuft es nun hinaus?
Ganz einfach: Das Massenkampfsystem in den Grundregeln. Auf der einfachsten Ebene arbeitet der Rechner des Deckers daran, das Hostsystem zu knacken, während das Hostsystem darauf hinarbeitet den Eindringling zu entdecken und rauszuwerfen. Die Stärke der beiden Rechnersysteme bestimmt, wie viele “Truppentokens” sie bekommen. Eisbrecher nehmen die Rolle von “Artillerie” ein, ICE und Datenfestungen die Rolle von “Terrain/Befestigungen”. Anstelle von “Moral” besteht die Gefahr eines Systemabsturzes, entweder als elegantes Ausstöpseln/Shutdown (“geordneter Rückzug”) oder als harter Crash (“ungeordneter Rückzug”).

Eine einzige gewonnene “Massenkampf”probe reicht, um einen einzelnen Task aufzuführen – man muss also nicht den gesamten “Massenkampf” am Stück auswürfeln, wenn es nur darum geht für den aktuellen Run eine Tür, eine Kamera oder einen Fahrstuhl zu kontrollieren.

An dieser Stelle kommen nun individuelle Decker ins Spiel, indem sie sich analog zu den Regeln für “Charaktere in Massenkämpfen” persönlich ins Getümmel stürzen (und auf drei Keyboards gleichzeitig einhacken während auf zwei Monitoren Hollywood-Hacking-Effekte laufen), um ihrem Intrusionsrechner Boni für die entscheidende Massenkampfprobe zu verschaffen, dabei aber riskieren Alarm auszulösen bzw. Auswurfschock zu erleiden oder von grauem oder schwarzem ICE gegrillt zu werden. Je mehr Charakter mitmachen, umso besser, aber das heißt nicht dass nicht dass jeder mitmachen sollte – genauso wie der unbedarfte Charakter mit Panzerweste, leichter Pistole und Shooting d6 sich nicht in die Schusslinie der Roten Samurai stellen sollte, auch wenn seine Präsenz nur zum potentiellen Vorteil des Teams sein kann. – Umgekehrt können sich natürlich auch Sicherheitsdecker auf Seiten des Zielsystems einklinken, um ihm einen Boost zu geben.

Im nächsten Beitrag werde ich dieses System genauer ausführen und ausformulieren. Natürlich wird dieses System darüber hinaus Ausrüstung (Programme als Äquivalent zu DTotS-Cyberware mit dem Deck als “Essenz”flaschenhals?), spezielle Edges und spezielle Hindrances brauchen

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